Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Klettersteig – Wandern in der Vertikalen

Heutzutage ist den meisten Sportlern in den Bergen „Klettersteig“ ein Begriff. Für die Wenigen die damit gar nichts anfangen können hier noch eine kurze Erklärung: Klettersteig soll eine Kombination aus dem Seilklettern und dem Wandern ergeben. Es entstand daraus ein Hybrid. Beim Klettersteig ist eine Route, wie beim Klettern, vordefiniert. Ein Stahlseil führt einen stets durch die Route. Bei leichten Steigen (Schwierigkeiten A, B) ist das meist kein anspruchsvolles Gelände. Oftmals handelt es sich um ein sehr ausgesetztes Gelände am bröckeligen Fels oder minimale Stellen mit Einsatz der Hände. Bei schwierigeren Steigen kann es jedoch auch schon mal vorkommen in Überhängen am glatten Fels aufzusteigen und das Stahlseil als Aufstiegshilfe zu verwenden. Gesichert wird ohne Sicherungsgeräte oder ähnliches. Am Klettergurt wird ein sog. Klettersteigset befestigt, welches mit zwei dehnbaren Gliedern und jeweils einem Karabiner im Stahlseil eingehängt wird. Dieses Set sorgt bei einem Sturz durch die Seildehnung und eine integrierte Seilbremse für einen weicheren und risikoärmeren Sturz.

Klare Vorteile des Klettersteigs

Der Klettersteig hat viele Vorteile und ist zurecht mittlerweile im Bergsport einer der stärksten Vertreter geworden. Mittlerweile gibt es in den Alpen eigene Klettersteigzentren von verschiedensten Sportartikelherstellern, um die perfekte Ausrüstung zu kaufen. Klettersteige gibt es viele und in jeder Schwierigkeit gibt es genug Vertreter um damit mittlerweile schon wirklich dicke Bücher zu füllen. Interessant ist das Klettersteig gehen besonders, weil keine speziellen Kurse notwendig sind, es gibt keine wirklich hohen Grundvoraussetzungen um damit zu starten. Körperliche Fitness reicht im durchschnittlichen Bereich um sogar schon mittlere Steige mit etwas Übung zu schaffen. Außerdem ist der Sport wahnsinnig einsteigerfreundlich. Selbst mit wenig Ahnung und viel Motivation kommt man durch die ersten Steige. Die A/B Steige sind ein toller Einstieg um sich mit der Materie vertraut zu machen, das Klettersteigset kennenzulernen und auch mit dem Anforderungsprofil eines Klettersteigs warm zu werden. Wer sich dennoch nicht ganz sicher fühlt, kann von unzähligen Anbietern Klettersteig Kurse in Anspruch nehmen. Man darf viel Geld für die wenigen grundlegenden Informationen hinlegen, so ehrlich muss man schon sein. Jedoch trotzdem keine schlechte Idee für all jene die noch nie irgendeinen Fuß im alpinen Gelände setzen durften.

Ausrüstung und die Kosten

Für jeden Klettersteig Geher sollte die Grundausrüstung vorhanden sein, um sicher durch die Steige zu gelangen. Dafür ist eine erste Grundvoraussetzung ein Klettergurt (Hüftgurt), ein Klettersteigset und ein Helm. Für die etwas längeren oder schwierigeren Steige empfehlen sich weiters auch noch speziellere Schuhe mit perfekter Reibung und Klettersteighandschuhe aus Leder. Einen kurzen Infoartikel zu Klettersteigsets gibt es in Kürze. Sportbekleidung und die eben angegebenen technischen Artikel reichen eigentlich schon aus für das erste Abenteuer. Wer jedoch knapp bei Kasse ist wird spätestens beim Einkaufen einen kleinen Schock bekommen. Die Ausrüstung ist heute schon ziemlich teuer. Als der Sport noch recht jung war, waren Sets und Co sehr leicht und kostengünstig erhältlich. Nur konnte man super beobachten, wie durch die Entwicklung zum Sport für die Massen ein extremer Preisanstieg ohne eine Weiterentwicklung der Sets begann. Eine Geldmaschine wurde eben erkannt. Beim Helm kann man Geld sparen, indem man auf die „nicht so schicken“ Helme setzt. Helme sind im Fachgeschäft einer Norm unterzogen und im Regelfall alle gleich sicher. Manche sind etwas komfortabler, andere liegen besser am Kopf an und haben eine schlechtere Belüftung etc. Hier gibt es viele Möglichkeiten und auch preislich gibt es nach oben hin eine schwer zu erreichende Grenze. Sichere und brauchbare Helme gibt es etwa ab 80€. Als nächste Voraussetzung gilt es einen Hüftgurt zu kaufen. Auch hier gibt es wieder hunderte Möglichkeiten. Wer sparsam kauft, dessen Sackerl wird etwas schwerer sein. Generell gilt, dass ein leichter Hüftgurt genauso sicher ist wie ein schwerer, jedoch um Welten teurer. Außerdem haben teure Klettergurte die besseren Materialschlaufen. Langfristig wird sich der preislich höher angesetzte Gurt also definitiv lohnen. Bei den guten Gurten startet man bei etwa 60€. Klettersteigsets sind ab 80€ erhältlich. Teurere Sets haben auch hier wieder klare Vorteile, die ganz nett, aber nicht zwingend notwendig sind. Drehbare Glieder, intelligenter designte Karabiner und kompaktere Seilbremsen sind nette Features die man auch bezahlen darf. So wird aus einem 80€ Einstiegsset schnell ein 110€ Set. Hier kommt es ganz klar wieder auf den eigenen Geschmack und die Bedürfnisse an. Letztlich vermutlich auch auf das Budget. Gescheite Klettersteighandschuhe gibt es schon für 20-30€. Diese halten viele Klettersteige, sind aber dennoch bei intensiver Nutzung relativ bald abgescheuert und reißen. Das dicke Leder schützt einen aber sicher die ersten 100-200 Touren. Über spezielle Klettersteigschuhe muss man sich zu Anfangs keine Gedanken machen. So wirklich brauchen tut sie sowieso keiner. Auch nicht die Profis. Denn schwierige F Steige werden meist mit normalen festen Bergschuhen mit besonderer Reibung durchstiegen oder oft auch gleich mit Kletterschuhen.

Die Nachteile gibt’s leider auch

Wer sich jetzt schon auf seine ersten Steige freut und den Artikel am Weg ins Sportgeschäft fertig liest, sollte sich kurz auch die Schattenseiten dieses Sports durchlesen, um dann nicht enttäuscht zu sein. Klettersteige erfreuen sich zurecht immer größerer Beliebtheit. Deshalb kann man davon ausgehen, dass man sich auf keinem Steig in den Alpen alleine aufhalten wird. So kommt es mittlerweile immer öfter zu negativen Ereignissen und Tiefpunkten am Klettersteig. Denn viele verstehen die wichtigsten Verhaltensregeln am Berg nicht, vielen ist es auch schlichtweg egal und oft wird’s dann ungemütlich oder im schlimmsten Fall auch richtig gefährlich. Außerdem ist auf den wirklich beliebten Strecken mittlerweile auch Stau vorprogrammiert. Weiters birgt der Sport ein besonderes Risiko für die Neuen und Unerfahrenen. Damit anzufangen und sich anfangs langsam und dafür sicher durchs Steiggelände zu bewegen, dagegen spricht nichts und ich bin immer ein großer Befürworter der präventiven Vorsicht. Jedoch würde es zu solchen Situationen deutlich seltener kommen, wenn man dem leicht zu lösenden zweiten Problem einen Riegel vorschiebt. Viele überschätzen ihr eigenes können und unterschätzen die Klettersteige. Vor allem D und E Steige bekommen immer mehr Besuch, der dann mit dem Hubschrauber wieder ins Tal gebracht wird. Der Grund? Die Geher hatten keine Ahnung wie schwierig die Steigpassagen sind, haben sich mit den Schwierigkeitsgraden nicht auseinandergesetzt oder sind aus Überschätzung einer zu schweren Route zum Opfer gefallen, haben dann in der Hälfte in den schwierigen Passagen keine Kraft mehr, geraten in Panik und rufen die Bergrettung. Das ist mittlerweile nicht mehr die Ausnahme in den Alpen, sondern das Tagesprozedere der Bergrettung. Das ist Schade und auch sehr gefährlich. Nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für immer mehr routinierte Geher werden diese unerfahrenen Geher zu einer echten Gefahr. Sie behindern die eigentlich gut gesicherten Teile des Steigs, überreden Außenstehende zu laienhafter Hilfe und dadurch entstehen leider mittlerweile im Wochentakt Katastrophen in den Steigen mit vielen Toten jeden Monat. So gilt für jeden Anfänger: Erst kommt der A Steig, dann der B Steig und dann definitiv nicht der E Steig. Vor allem D, E und sowieso die F, F/G Steige sind absoluten Profis und Erfahrenen Kletterern und Klettersteiggehern vorbehalten. Erst mit viel Erfahrung am Fels kann man darüber nachdenken sich in solche Routen zu begeben. Lieber einen zu leichten, als einen unmöglichen Steig durchsteigen. Die Bergrettung wird’s euch danken.

Ein Artikel zum Thema, was noch alles mit sollte, wenn ihr unterwegs seid gibts HIER

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2019 Sebastian Lobinger

Thema von Anders Norén