Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Scarpa Chimera

Der Scarpa Chimera ist ein Schuh, der schon einige Monate auf dem Markt ist und trotz allem erst vor Kurzem meine Aufmerksamkeit erregen konnte. Neue Kletterschuhe waren fällig, also gings nach einer kurzen Affäre mit 5.10 wieder zurück zu Scarpa. Der Chimera schien mir neben einer gesunden Abwechslung zu meinen bisherigen Schuhen auch ein spannender Test zu sein. Gleich mal vorweg: Der Chimera ist qualitativ absolut brauchbar, seine Stärken und Schwächen haben sich aber nach einer ausgiebigen Testphase und vielen Stunden in der Wand herauskristallisiert.

Passform

Der Chimera eignet sich besser für Schuhträger mit etwas breiteren Füßen. Wer in La Sportivas nicht reinpasst, weil sie vorne zu lang und in der Breite zu schmal sind, könnte sich im Scarpa Chimera wohl fühlen. Wie es bei Scarpa Schuhen üblich ist, kann man die normale Schuhgröße als guten Indikator nehmen (ca. eine Größe unter der Straßenschuhgröße). Manch andere geben an, diesen Schuh 2-3 Nummern kleiner nehmen zu müssen. Ich würde hier ganz einfach probieren und sehen was passt.

Besondere Merkmale

Wer sich einen Chimera schon mal angesehen hat, wird sofort merken, dass hier nicht von einem harten Schuh die Rede sein kann. Er zeichnet sich besonders durch die sehr weiche Sohle aus. Eine weiche biegsame Sohle ist nicht für jeden das richtige Mittel. Gerade wenn es um Eigenstabilität geht ist er nicht die beste Unterstützung. Ganz klare Vorteile bietet die weiche Sohle dafür bei Reibungsklettereien und steilem Gelände. Der Schuh schafft es perfekt, sich an das Gestein oder die Tritte (eben auch in der Halle) anzupassen und damit das Maximum an Reibung herzustellen. Ein weicher Schuh hat natürlich auch seine kleinen Problemstellen. Gerade bei positiven Leisten oder anderen Miniaturtritten hat der Kletterer es etwas schwerer sich zu halten, als mit einem harten Schuh.

Das Schließsystem

Der Chimera ist ein Schnürschuh. Die Schnürung ist ein perfektes System für den Chimera, auch wenn nicht immer sehr beliebt bei den Kletterern. Bei den meisten Schuhen sind Klettschuhe oder andere Formen (wie Slipper) praktischer und Schnürungen einfach nur überflüssig. Jedoch ist sie beim Chimera insofern notwendig, dass der weiche Schuh von einer festen und präzisen Schnürung profitieren kann. Vor allem in diesem Fall wäre das Klettsystem nicht ideal. Die exakte Schnürung von den Zehen weg hilft dabei, die doch recht harte Spitze und die weiche Sohle perfekt anzupassen und festzuziehen.

Die Zielgruppe

Der Chimera spricht vor allem fortgeschrittene Kletterer an. Schließlich liegt er mit einem Preis ab 150€ schon eher im oberen Mittelfeld. Außerdem sind das asymmetrische Design und die starke Vorspannung ein Grund ihn eher nur zu tragen, wenn man vorher schon ähnliche Kletterschuhe kannte oder sich mit dem Feeling von Kletterschuhen schon abfinden konnte. Prinzipiell ist er aber trotz des aggressiven Designs auch für kürzere Mehrseillängen geeignet, da er sich nach der ersten Seillänge schon recht gut an den Fuß anpasst (bedingt durch die weiche Sohle und das Material

Fazit

Der perfekte Schuh für Fortgeschrittene, die aggressive und professionelle Schuhe fürs Sportklettern, Bouldern UND MSL Klettern. Damit ist er der perfekte Allrounder im oberen Preis/Leistungssegment. Mit minimalen Abstrichen durch das weiche Material kann man üblicherweise leben. Wer stark spezialisiert klettert möchte, wird wohl noch etwas spezifischere und härtere Schuhe benötigen. Ein Schuh für einen professionellen Wettkampf ist es durch die nicht ganz so ausgeprägte Eigenstabilität wohl eher weniger. Für die klassischen Allroundkletterer im fortgeschrittenen Bereich ist er aber absolut geeignet. Damit spreche ich für den Schuh eine ganz klare Empfehlung aus!

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