Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Himalaya Mountain Flight

Extreme Höhen, steile Wände und eisige Welten. Kaum ein Ort auf der Welt ist so alleinstehend und atemberaubend wie die Gipfel des Himalayas. Es gibt viele Meinungen, dass ein Himalaya Flug nur für gehfaule Touristen gedacht ist. Jedoch ist auch abseits der schönen Trekkingrouten ein Flug mit dem Kleinflugzeug lohnend, denn die Ansicht ist definitiv eine völlig andere. Nun möchte ich euch im Detail beschreiben wie man zu einem Flug kommt, wie dieser abläuft und möchte euch einige Eindrücke präsentieren.

Organisation

Kathmandu hat einige Adventure Büros und viele „Tourist Information“. In diesen Büros kann man jederzeit einen Himalaya Mountain Flight buchen, jedoch sollte man eventuell bei der Auswahl des Büros etwas auf das Internet, TripAdvisor und Co. vertrauen, um nicht auf ein faules Büro zu stoßen mit zu teuren Preisen und schlechter Organisation. In unserem Fall war dieser Trip mit einer Agentur organisiert, mit welcher wir zuvor auch schon zusammengearbeitet haben. Besonders gut ist die Agentur, wenn sie euch auch eine Fahrt vom und zum Flughafen organisiert und im Preis inbegriffen ist. Wir haben den ganzen Flug mit Yeti Airline bestritten, es gibt denselben Flug auch von der Fluggesellschaft BuddhaAir. Ob eure Agentur mit der einen oder anderen Airline zusammenarbeitet, macht für euch als Gäste absolut keinen Unterschied. Die Flugtickets haben wir per Mail zugeschickt bekommen und unser Hotel hat uns die Dokumente freundlicherweise ausgedruckt. Ich würde euch allein aus diesem Grund raten mit einer etwas größeren Agentur zusammenzuarbeiten, damit man verlässlich die Tickets zur Verfügung gestellt bekommt.

Das drum herum

Wir haben uns für einen der ersten Flüge des Tages entschieden. Gegen 6 wurden wir vom Hotel abgeholt und es ging schnell in Richtung Kathmandu domestic airport. Ganz im Gegensatz zum internationalen Flughafen kann der domestic airport dem ein oder anderen Durchschnittstouristen ungewöhnlich klein und chaotisch vorkommen, wie eben eigentlich der gesamte Alltag. Generell ist es wichtig zu wissen, dass am Himalaya Flight ausschließlich Handgepäck und davon auch nur ein einziges erlaubt ist. Geflogen wird nämlich mit Kleinstflugzeugen (zwischen 10 und 20 Personen) und das Handgepäck findet ausschließlich am Schoß einen Platz. Erst wird man zu der Security Kontrolle geführt, dann geht’s zum Ticketschalter um die ausgedruckten Dokumente in richtige Tickets einzutauschen. Danach geht es auch schon ganz schnell zum „Gate“ und hier wartet man dann auf den Flug.

Wichtige Informationen:

Der Flug findet prinzipiell immer bei stabilem Wetter statt, jedoch heißt stabil nicht immer schön. Schönwetter gibt es zu den Hochzeiten des Nepaltourismus eigentlich fast immer. Wir sind in der Regenzeit dort gewesen und das hat gewisse Vor- und Nachteile. In der Regenzeit gibt es häufiger Schlechtwetter, fast täglich hat man um die Mittags- und Nachmittagszeit starke Regenschauer und es ist meistens bewölkt. Der große Vorteil der Regenzeit ist, dass man bei einem Schönwetterfenster absolut klare Sicht bis zum Horizont hat. Der Himmel ist wahrlich reingewaschen. Es gibt kein Recht auf Rückerstattung des Preises, wenn der Flug nicht stattfindet, oder auch die Sichtweite nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Man kann sich große (sinnlose) Diskussionen mit Agenturen sparen, indem man sich vorher schon einen guten Tag für den Flug aussucht. Hier hat man natürlich auch wieder in der Regenzeit den Vorteil, dass durch den geringeren Besucheransturm eine kurzfristigere Planung möglich ist. Unser Himalaya Mountain Flight wurde beispielsweise nur zwei Tage vor dem Flug geplant und gebucht. Diese Zeitspanne wird in der Hauptsaison definitiv nicht ausreichen.

Der Himalaya Mountain Flight

Ist der Start des Flugzeugs gesichert, gibt es kein Zurück mehr. Selbst wenig Regen kann man verkraften, da der Flug hoch hinaus über die tiefhängenden Schlechtwetterwolken geht. Steigt man erstmal ins Flugzeug, könnte es beim ein oder anderen Touristen zu einem etwas unsicheren Gefühl kommen. Kleinflugzeuge in Nepal sind weder vom Design, noch von der Bauart her mit den europäischen Standards vergleichbar. Zur Beruhigung lässt sich aber sagen, dass trotz der häufen Meldungen über Flugzeugunglücke mit Kleinflugzeugen in Nepal ein Absturzrisiko verhältnismäßig gering ausfällt. Bei Yeti Airline war es so, dass jedem ein Sitzplatz über das Ticket zugewiesen wurde. Wir saßen beide in der ersten Reihe, konkrete Vor- oder Nachteile hat das aber nicht. Wenn die Propellermaschine erstmal den Boden verlassen hat, gilt es die Aufregung zu überstehen. Anfangs sieht man bei Bewölkung noch keine Berge oder sonstiges. Es macht den Anschein, als würde es nicht besser werden, bis man aus den Wolken fliegt und die prächtige Aussicht das erste Mal erhaschen kann. Tatsächlich ist es so, dass erst die linke Seite der Passagiere die Himalaya Aussicht genießen kann und danach die rechte Seite. Der Pilot fliegt einmal das Gebirge entlang, wendet um ca 180 Grad und fliegt dann in einem leichten Bogen wieder zurück.

Die Aussicht

Der Himalaya Mountain Flight ist wohl so eindrucksvoll wie kaum ein anderer Flug auf der Welt. Wir sehen vom Langtang Gebirge bis zum Everest jeden erdenklichen Berg. Wir hatten mit der Aussicht besonderes Glück. Wir konnten sogar das Karakorum in weiter Ferne erkennen. Ob Annapurna, Makalu, Manaslu, Mount Everest und viele weitere 7000er um die berühmtesten Berge herum, alle präsentierten sich uns wahrhaftig wie unbezwingbare Giganten. Für ambitionierte Bergsteiger ist der Himalaya Mountain Flight die Präsentation aller Träume, die man haben kann. Man sieht die Abrisse von gigantischen Lawinen, riesige Felskomplexe und überwältigende Eiswände. Nichts kann der Himalaya vor uns verstecken, wenn wir so knapp über ihn hinweg fliegen. Nach ca. 40 Minuten hat jeder Passagier die eindrucksvollen Berge bestaunen dürfen, eine kollektive Entgleisung der Gesichtszüge ist spätestens garantiert, wenn sich der Mount Everest im Sonnenaufgang aufbaut und man im Cockpit des Flugzeugs auch mal den Blick der Piloten genießen kann.

Der weitere Verlauf

Nach 40 Minuten am Himalaya entlang beginnt auch schon wieder der Landeanflug. Grade bei unserem tiefliegenden Schlechtwetter gestaltet sich so ein Sinkflug zu einem echten Abenteuer für starke Nerven. Ein kleines Flugzeug wie dieses wird von fTurbolenzen und Luftlöchern derart mitgenommen, dass man hier schon man das Gefühl eines ernsthaften Problems haben kann. Letztlich landet man aber trotzdem wieder sicher und zufrieden am Boden. Niemand hätte mir zurück am Boden sagen können, dass das kein absolut eindrucksvolles Erlebnis war.

Fazit

Der Himalaya Mountain Flight ist ein teures Spektakel. Je nach Anbieter und Service kann man bis zu 200$ für eine Stunde Entertainment hinlegen. Doch hätte ich vorher gewusst was mich hier erwartet, hätte ich vermutlich sogar noch mehr bezahlt. Natürlich wird einem niemand diese grandiose Aussicht garantieren, denn Wolken und Nebel sind einfach Teil der Natur. Doch bei einer guten Planung ist einem ein einmaliges Erlebnis auf jeden Fall ziemlich sicher. Ich vertrete ganz klar die Meinung: Wer in Nepal ist, sollte sich definitiv auch in ein Flugzeug mit Ziel Himalaya setzen. Selbst wenn man schon bei einem spannenden Trekking viele Berge vom Boden aus erspähen konnte, ergibt sich mit einem solchen Flug nochmal ein ganz neuer Blick auf diese Giganten Asiens.

 

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