Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

So wirst du ein schlechter Bergsteiger!

Viele Bergsportler haben schon immer einmal davon geträumt ein miserabler Bergsteiger und typischer Ungustl am Berg zu sein. Ich möchte euch heute den ultimativen Guide bieten, um möglichst rücksichtslos, hilflos und überfordert am Berg bestehen zu können. Wenn ihr jeden einzelnen Schritt detailliert einhaltet, werdet ihr in kürzester Zeit viele neue Freunde am Berg finden! Also aufmerksam lesen und gleich ausprobieren!

Die Planung

Der erste Schritt beginnt natürlich bei der Planung, noch am Boden. Hier gilt es einiges zu beachten. Das Wichtigste ist wohl, dass Planung in erster Linie vernachlässigt werden sollte. Ein Vehikel und genügend Benzin sind eigentlich schon genug. Bei der Planung sollte man überall da abspecken, wo es absolut überflüssig ist. Beispielsweise sind die Wettervorhersage und sämtliche Wetterberichte unwichtig. Jegliche Bergwetter Websites sollten im Browser gesperrt werden, um auch nicht in Versuchung zu kommen sicher und bei besten Verhältnissen in eine schwierige Tour einzusteigen. Außerdem sollte man sich auch über die benötigte Ausrüstung nicht zu viel Gedanken machen. Schließlich ist jeder Gegenstand zu viel am Berg eine große Last und sollte daher eingespart werden. Ein Studium der Route, die man sich vornimmt kann in manchen Fällen dabei helfen direkt den richtigen Weg zu finden und schlechte Markierungen auszugleichen. So eine Situation sollte dringlichst vermieden werden, da sonst die Freiwilligen der Bergrettung kaum noch aus dem Haus kommen. So mancher Pilot der Hubschrauber hat sicher schon alles verlernt durch zu wenig verlaufene Bergsteiger. Außerdem ist die Anschaffung eines GPS Gerätes nicht gerade billig und die großartige Buff Haube am anderen Ständer im Bergfachgeschäft war einfach cooler. Die Planung ist also abgeschlossen. Hier steht dem unvorbereiteten Bergsteiger nichts mehr im Weg!

Die Ausrüstung der Ungustln

Die Ausrüstung gehört bei der Durchführung von jeglichen Bergtouren einfach immer dazu. Sei es der Rucksack, die schicken Pumps oder das Sixpack. Alles Klassiker, die nicht fehlen sollten. Im Gegensatz dazu gibt es Gegenstände die an jedem „guten“ Bergsteiger einfach lächerlich aussehen und weggelassen werden müssen um endlich erfolgreich unerfolgreich zu werden. Beispielsweise sind Gegenstände, die eine Anpassung an verschiedene Witterungen erlauben tabu. Regenjacke, Daunenjacke, Fleece Westen und Co. sind Rucksackbeschwerer und bleiben sowieso fast immer da wo man sie zuhause reingestopft hat. Weniger Kleidung, mehr Essen. Eine

hier könnte ein sexy Bergsteiger stehn

So sieht der beste schlechteste Bergsteiger der Welt aus

einfache Rechnung. Für spezielle Touren braucht es angeblich auch speziellere Ausrüstung. Pickel, Eisgeräte, Steigeisen, Seil, Eisschrauben, Helm und Gamaschen. Hier fängt das Ausrüstungschaos an, mit dem ich jetzt endgültig aufräumen werde. Altschneefelder im Frühsommer und generell Schneefelder auf höheren Bergen sind beim Bergsteigen ein ekelhaftes Hindernis. Jedoch sind wir echte Bergsteiger. Somit sind es ausschließlich Herausforderungen, wenn wir das Equipment weglassen oder noch besser einfach falsches mitbringen. Eine komplette Hochtourenausrüstung kommt auf mehrere hundert Euro. Eine Investition, die man sich absolut sparen kann. Vor allem mit einem weiteren positiven Effekt: Wir können auf der Berghütte angeben wie cool wir sind, dass wir ohne Ausrüstung uns den Touren stellen. Damit werden wir als harte Hunde betrachtet und die vermeintlich sicheren Bergsteiger werden in Ehrfurcht erstarren. Juhu!

Untereinander schlechter Bergsteigen

Es kommt häufig vor, dass uns andere Bergsteiger, seien es gute oder schlechte, am Berg begegnen. Oftmals machen sie sich durch ein „Grias eich“, „Hallo“ oder „Servus“ bemerkbar. Ganz selten begegnet einem auch eine „Berg Heil!“ Spezies, diese mittlerweile Gott sei Dank immer seltener. Hier gilt es hart zu bleiben. Schließlich grüßen wir auch nicht jeden in der U-Bahn, also wieso denn am Berg? Diese Unart wird weniger. Das macht es uns leichter sich an die neuen Gepflogenheiten anzupassen. Wenn man überholt wird oder jemand entgegen kommt gilt ein starrer Blick auf den Boden und absolute Stille. Sollte der Störenfried nach seiner unpässlichen Begrüßung vielleicht auch noch eine Frage oder ähnliches haben („Wie weit noch?“ etc..) sollte man an Geschwindigkeit zulegen um diesen Fauxpas möglichst schnell zu entfliehen.

Das richtig falsche Verhalten

Sollte man überlegen Essen und Trinken mitzunehmen gibt es auch hier einige Regeln zu beachten. Essensreste gelten ja üblicherweise als verderblich, auch wenn manche Obstreste mehrere Jahre benötigen um zu verrotten, ist das reine Haarspalterei. Übrigens sollte der echte Ungustl am Berg nicht vergessen auch nichtbiologische Stoffe mitzunehmen und vor allem zurückzulassen! Manche Bergsteiger setzen darauf, ihren Müll wieder ins Tal zu tragen, aber hier sollte man sich vor Augen führen wie viel Gramm man beim Abstieg sparen könnte, wenn man den Müll einfach irgendwo in den Abgrund wirft. Oder noch besser! Um die Umwelt zu schonen sollte man den Mist jeglicher Art in regelmäßigen Abständen direkt am Wegesrand verstreuen, damit andere Wanderer diesen wieder aufsammeln können. Bei dieser Aufgabe haben manche Wanderer nämlich schon ihre Leidenschaft entdeckt! Weiters sollte ich auch noch kurz auf das Thema menschliche Rückstände eingehen. Auch hier sollte man sich definitiv nicht genieren, da es um einen natürlichen Vorgang handelt. Somit sollte es jedem Bergsteiger auch ein Bedürfnis sein, diesen Vorgang mit allen anderen Kammeraden zu teilen. Also hier auch bitte wieder den Wegrand, wenn nicht gleich die Mitte des Weges zu nutzen. Vor allem auf schmalen Steigen ist das eine beliebte Sammelstelle für Fäkalien.

Die gewählte Schwierigkeit

Ein wirklich wichtiger Teil des Bergsteigens ist die Einschätzung der Schwierigkeit. Denn hier sollte man im ersten Schritt die eigenen Kenntnisse einschätzen und überlegen was man sicher und gesund schaffen kann. Im zweiten Schritt sollte man all diese Überlegungen wieder über den Haufen werfen, denn das ist Unfug. Wer sich mit dem eigenen Können beschäftigt beschränkt sich selbst und die eigenen Erfolge. Wer zuletzt grade so einen Klettersteig der Schwierigkeit B geschafft hat, sollte dringend überlegen im Schwierigkeitsgrad E zu kraxeln. Alles andere wäre Zeitverschwendung. Wer in der Halle den 6. Schwierigkeitsgrad klettern kann, sollte dringend eine Mehrseillänge im 10. Schwierigkeitsgrad irgendwo im Alpenhauptkamm angehen. Sonst beschneidet man sich nur selbst im Ruhm. Sollte es im unwahrscheinlichen Fall zu Problemen kommen oder es tatsächlich gefährlich und unkontrolliert werden, kann man jederzeit 140 wählen und die freiwilligen Retter kommen jederzeit in jede Situation um zu helfen. Diese Leute freuen sich jeden Tag unvorbereitete Hänschen aus den Wänden oder von den Bergen zu holen. Hier gelten auch weitere Feinheiten: Die Retter sollten dringend befragt werden warum das so lange gedauert hat und ob sie uns nicht vielleicht noch gleich auf den Gipfel bringen könnten.

Das Wichtigste

Ein echter Bergsportler sollte mindestens diese fünf großen Punkte beachten, um mit dem Trend und der Zeit mithalten zu können. Denn schließlich geht es nur um eins: Als unsympathischster Sportler am Gipfel stehen! Ich hoffe euch hat diese Art Tutorial geholfen, den Sport besser zu verstehen.

Vergesst nicht diese Tipps mit all euren Bergsteiger-Freunden zu teilen, damit es bald so wenig tolle, freundliche Bergsteiger wie nur möglich gibt.

Vielen Dank fürs Lesen dieser SEHR ironischen Anleitung um zu einem furchtbaren Bergsteiger zu werden.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2019 Sebastian Lobinger

Thema von Anders Norén