Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Kletterhalle – Kein Spielplatz für Idioten!

Man macht tagtäglich Begegnungen die einen immer wieder zum Nachdenken bringen. Manche aber sind so negativ beeindruckend, dass sie sogar einen eigenen Artikel wert sind. Denn über manche Dinge sollte man sich nicht nur Gedanken machen, man sollte sich öffentlich darüber beschweren und diese Problematik aktiv beheben. Kommen wir zum Thema.

Im gestrigen Training lief es gut, ich war positiv überrascht wie weit meine Partnerin und ich uns weiterentwickelt haben und das in so kurzer Zeit. Wir haben in all unseren Problemrouten bestens geschlagen. Also war die Session deutlich besser als sonst. Jedoch mussten wir von Anfang an eine unschöne Bekanntschaft machen. Beim Eintreffen in der Halle fiel uns direkt ein Paar auf, welches stark gequält an der kleinen Boulderwand hingen. Mit Straßenschuhen, oder Laufschuhen. Die Halle ist um diese Zeit noch nicht besetzt, der Zutritt ist ausschließlich jenen vorbehalten, die schon eine Karte haben (Jahreskarten etc.), der Rest muss 4 Stunden später kommen. Mich irritierte die Tatsache, dass diese Leute offensichtlich eine Jahreskarte haben, denn ihr Verhalten und Auftreten kam mit der Idee sehr viel Geld für eine Jahreskarte auszugeben einfach nicht zusammen. Auch wenn es jetzt nicht so klingt, zu diesem Zeitpunkt war ich dennoch sehr unvoreingenommen, denn ich bin nicht in der Halle um Leute zu kritisieren oder zu beurteilen. Das ist mir eigentlich immer recht egal, solange sie mich nicht in meinem Training behindern. Im weiteren Verlauf der nächsten Stunde krabbelten sie immer wieder an den Wänden im Boulderbereich herum, hin und wieder wagten sie es auch in den eigenen Boulderraum zu gehen um dort schwierige Griffe und Tritte im Überhang auszuprobieren. Das endete letztlich aber in einer Streiterei. Also wurde in den Boudlerraum gegangen, um zu streiten. Natürlich sollte ich einen besonderen Punkt nicht vergessen: Es wurde regelmäßig auf Instagram der „tolle Spaß im hardcore Bouldern“ festgehalten. Alle 5 Minuten standen beide völlig erschöpft vor der Boulderwand für Kinder (muss ja keiner wissen) und posierten für die vielen Fans auf Instagram. Denn etwas habe ich zu diesem Zeitpunkt erkannt: Das sind Fitnessgurus. Dass sie keine Ahnung vom Klettern oder Bouldern haben war ja nach den ersten Minuten glasklar, aber ihr besserer Dressing Shaker und die Fitness Outfits haben dann in Kombination mit ihrem „Body“ und den Instagram Posen zu einem perfekten Bild geführt, welches jedoch absolut nicht in die Kletterhalle gehört.

Jetzt kommen noch weitere Dinge etwas erschwerend hinzu: Die beiden Fitnessstars haben gar keine Jahreskarte o.ä. Sie haben sich widerrechtlich Zutritt zur Halle verschafft, weil sie wohl nicht einsehen konnten, dass die normalen Kunden nicht ab 9, sondern erst ab 13 Uhr bedient werden können. Deshalb haben sie sich bis zum Eintreffen des Personals einfach selbst Zutritt verschafft. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich natürlich etwas gesagt. Jedoch fiel das erst auf, als sie um 13:00 beim Ticket Counter standen und 3h Karten kauften. Frechheit ohne Ende. Wie auch immer, wurde dann mit Hilfe des deutlich zu freundlichen Personals sogar noch eine gratis Einführung in die Kletter- und Sicherungstechnik geboten. Ob er wohl wusste, was die beiden die letzten zwei Stunden hier gemacht haben? So konnten die beiden nun ohne Idee und Ahnung mit ihren Straßenschuhen Routen klettern, denn Kletterschuhe wollten sie keine. Also Routen ist vielleicht auch etwas zu viel gesagt, beide quälten sich in Missachtung jeglicher Tipps des Hallenwarts die Wände hinauf. Vor allem das Ablassen amüsierte prächtig, als beide immer stets (auch nach Hilfestellung, die wie immer ignoriert wurde) mit dem gesamten Körper an der Wand die Wand hinab schliffen. Um ehrlich zu sein… wäre es nicht so traurig gewesen, wäre es ja richtig lustig gewesen.

Was mich zu meinem Hauptproblem bringt: Diese beiden waren die perfekte Verkörperung von „Wenn man keine Ahnung hat was man tut“. Sie haben sich selbst in Gefahr gebracht, denn die Tipps zum Sichern wurden ignoriert. Es wurde ihnen in keinem Moment klar, wie fahrlässig sie in den meisten Momenten handelten. Sie haben vollständig auf gute Manieren und Hallenregeln geschissen und haben sich präpotent und arrogant präsentiert, als hätten sie irgendetwas zu bieten. Sie waren ein Krebsgeschwür für die Kletterhalle und vielen Kletterern sah man die Erleichterung an, als sie wieder verschwanden. Doch damit ist es für mich nicht getan.

Klettern wird heutzutage stark promotet und gut verkauft und das unterstütze ich sehr, denn der Klettersport kann meiner Meinung nach nicht groß genug sein. Jedoch ziehen falsche Versprechungen von gutaussehenden Influencern auch die absolut falschen Personen in die Halle. Das war ein Paradebeispiel für Menschen, denen es um nichts anderes ging als ihre mediale Aufmerksamkeit, ohne auch nur eine Ahnung vom Sport an sich oder den Gefahren, in die sie sich selbst und andere brachten zu haben. Und ich bin davon überzeugt, es waren nicht die einzigen, nicht die ersten und auch nicht die letzten Quereinsteiger ohne echtes Interesse am Sport. Dennoch sollte man sich vielleicht irgendwann darüber Gedanken machen, ob es nicht Sinn macht genau so Kampagnen zu starten, die über Gefahren und eventuell auch die Ernsthaftigkeit des Sports aufklären. Jedoch würde das natürlich zu einem minimalen Einschnitt im Profit der Kletterhallen, der Ausrüstungshersteller und Co. führen und das ist natürlich auch nicht erwünscht. Es gibt mittlerweile zwar schon ein paar Hallen, die eine Ahnung und einen Kurs voraussetzen, aber offensichtlich nicht genug. Schade.  

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