Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Die Drachenwand – Stau, Gefahren, Probleme

Viele von uns kennen ihn und lieben ihn. Den Klettersteig an der Drachenwand. Zwischen Salzburg und Oberösterreich, direkt am Mondsee existiert ein tolles Naturgebiet, welches zum Wandern, Relaxen und Baden einlädt. Aber vor allem lädt es zum Trendsport Nummer 1 ein. Dem Klettersteig gehen. Die Klettersteige in Österreich werden immer mehr. So sehr, dass man allein darüber einen eigenen Artikel verfassen muss. Doch was noch deutlicher zunimmt als die Klettersteige selbst, sind die Geher, die in Bestzeit die Klettersteige “rocken” wollen. An der Drachenwand beim wunderschönen Mondsee hat diese Entwicklung dieses Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden. Vorläufig deshalb, weil keine Änderung des Problems in Aussicht gestellt wird. Das Klettersteig Urgestein Hans Gassner, der “Erfinder” des Klettersteigs an der Drachenwand steht für das Meisterwerk im Gestein mittlerweile sogar in der Zeitung. Doch vermutlich nicht aus einem herbeigesehnten Grund: Der Klettersteig erfreut sich einer derartigen Beliebtheit, dass sie nun zum Problem wurde. 

Ein bedenklicher Status Quo

Ein Jahr wie heuer hat es an der Drachenwand wohl kaum schon einmal gegeben. 20.000 Klettersteiggeher haben sich in diesem Jahr an der Drachenwand probiert, vermutlich haben es die meisten auch geschafft. Und das, obwohl das Jahr ein denkbar schlechtes Bergjahr war. Die Berge waren alle deutlich länger eingeschneit und vom Winter gefangen als üblich. Davon blieb die Drachenwand nicht verschont und dennoch schafft sie dieses Jahr ein Rekordhoch. Einen beliebten Klettersteig in der Region zu haben, zeugt von entsprechender Qualität des Steigs und vor allem von hoher Qualität des Umlands, welches man am Weg nach oben bestaunen kann. Doch es gibt natürlich eine Obergrenze, an der Beliebtheit negative Einflüsse mit sich bringt. Denn ein warmer, wolkenloser Samstag sah diesen Sommer auf der Drachenwand alles andere als schön aus. Stau soweit das Auge reicht, kaum Passagen mit purem Klettervergnügen ohne ständige Störungen. Ständig drängelt der hinter einem und trödelt der vor einem. Nicht selten beobachtet man Streitereien zwischen Bergsteigern und es kommt durch die extrem hohe Auslastung auch immer öfter zu Steinschlag. Viele Drachenwand Besteiger sind der Herausforderung des Steigs bei weitem nicht gewachsen und enden oft in einem Hubschrauber. Wenn man meint, all diese Situationen verteilen sich über das Jahr… weit gefehlt. Das sind Erlebnisse an einem klassischen sommerlichen Samstag hoch über dem Mondsee.

Das ist also der Status Quo, welcher, da sind sich alle Beteiligten sicherlich einig, so nicht bleiben kann. Es muss jedoch angemerkt werden: Die Drachenwand ist ein Paradebeispiel unter vielen und steht mit diesem Leiden sicherlich nicht alleine in den Alpen. Länderübergreifend erfreuen sich Klettersteige einer großen Beliebtheit und die Drachenwand steht stellvertretend für viele andere Steige. Doch jetzt stellt sich der Errichter und auch viele andere, vor allem aber die Bergsteiger aus der Region um die Drachenwand ein und dieselbe Frage: Was sollen wir dagegen tun? Klar ist, dass durch den hohen Andrang der Klettersteig langfristig an Ansehen verlieren wird. Doch nur weil er an Ansehen verliert, verliert er sicherlich nicht die hohe Frequentierung. Denn mittlerweile mischen auch einige Bergtouristen aus Tschechien, Polen, Deutschland und der Slowakei an der Drachenwand mit, welche die frohe Kunde der Überlastung nicht so leicht erreicht wie die ortsansässigen Bergsteiger. Es fällt in dieser Debatte am Ende immer ein und derselbe Schluss: Eine Regulierung muss her! Doch wenn man nach dem Mittel der Regulierung fragt, werden die Antworten schon rar, beziehungsweise endet man im Nichts. Denn niemand dachte vor 30, 40 Jahren daran, jemals einen Klettersteig regulieren zu müssen. Ohne wird es aber nicht mehr gehen. Doch was ist das richtige Mittel der Regulierung? 

Beispiele der Regulierung

Eins ist sicher, wer reguliert, muss auch kontrollieren, denn was bringen Regeln und Richtlinien, wenn sich kein Schwein daran hält? Doch Kontrolle wird wohl zwangsläufig mit Kosten verbunden sein. Denn wer den Aufstieg kontrollieren und regulieren möchte, muss jemanden an den Start stellen, der den Zugang gewährt oder eben nicht. Und dieser “Jemand” wird es kaum freiwillig tun, daher muss man sich Gedanken um eine Refinanzierung machen. Diese Refinanzierung wird wohl ausschließlich über kostenpflichtigen Zutritt stattfinden, denn die alpinen Vereine würden kaum auf die Idee kommen, eine Regulierung der Steige selbstlos zu finanzieren. Oder man verzichtet auf den Fahrkartenkontrolleur und stellt eine elektronisches Zutrittssystem vor den ersten Felskontakt, dessen Schranke mit einem Ticket entsperrt werden kann, welches man bei einem Automaten am Parkplatz oder in der nächsten Gemeinde ziehen kann. Theoretisch wären hierfür nicht einmal ein kostenpflichtiger Zutritt notwendig, sondern man zieht einfach ein Ticket und der Automat gibt nach einer gewissen Anzahl ausgegebener Tickets keine weiteren mehr aus. Doch seien wir einmal ehrlich: Zwei Probleme sind bei dieser Idee doch schon von vornherein implementiert: 1. Ein elektronischer Schranken vor den ersten Stahlseilen nimmt dem Steig noch mehr Ansehen, denn er verliert damit komplett den Eindruck der Natur. Es gleicht dann schon eher einer Touristenattraktion, als einem bergsteigerischen Abenteuer. Und 2. Ein kostenloses Ticketsystem würde wohl nicht eingeführt werden, da einerseits Einmalkosten (und Wartungskosten) für die Einrichtung entstehen würden und mal ehrlich: Wer so nah an einer Möglichkeit zur Einnahmequelle steht, wird diese vermutlich auch nutzen. Und wem steht das Geld dann zu? Wer verwaltet die Erträge und wer bekommt den Gewinn? Denn Hans Gassner sollte hierbei definitiv nicht leer ausgehen, schließlich ist er hauptsächlich der Grund für das zahlreiche Erscheinen der Begeher. Und das wäre meine größte Angst. Dass hier Firmen und Vereine die Hand aufhalten und es als lukrative Geldmaschine sehen. 

Also zusammengefasst… die Zugbegleiter der ÖBB wird man wohl kaum zum Klettersteig Ticket Kontrolleur umschulen. Und Automaten mit Schranke machen den natürlichen, wunderschönen Klettersteig an der Drachenwand unästhetisch und lassen ihn zur Touristenattraktion verkommen. Außerdem bleibt bei beiden Lösungen die Frage: Wie viel Geld ist genug für ein Ticket? Wer erhält das ganze Geld? Und wohin fließt es abzüglich aller Betriebskosten? Fragen, die ich mir nicht stellen möchte, wenn ich die Drachenwand das nächste Mal besuche. 

Und trotzdem steht der große rosa Elefant im Raum: Die Beschränkung des Zugangs MUSS her. Eine Lösung zu finden wird wohl die Kernaufgabe der Gemeinde St. Lorenz und letztlich auch von Hans Gassner für die kalten Wintermonate, bevor 2020 das Spektakel mit neuen Rekorden wieder von vorne beginnt. Wenn alles eskalieren sollte, wird der Klettersteig vermutlich vorübergehend gesperrt und darüber wäre kein Begeher und keine Begeherin erfreut. 

Ich hoffe dennoch auf eine gut funktionierende Lösung bei diesem Thema, denn langfristig wird die Drachenwand wohl nicht der einzige Klettersteig mit Überlastung sein und daher braucht es ein einheitliches, flächendeckendes System für die Zukunft. Wie seht ihr das? Schreibt es mir gerne hier in die Kommentare oder auch bei Facebook! 

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