Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Die Kuh heißt hier Justiz!

Ihr habt sicher schon davon gehört. Vor kurzem wurde das Urteil gefällt, der Landwirt aus Tirol muss knapp eine halbe Million Euro Strafe zahlen, weil seine Kuh auf einem nicht umzäunten Gelände eine Frau attackiert und getötet hat. Sämtliche Medien haben darüber berichtet, die Aufregung ist gigantisch. Zurecht.

Ich habe mir das ganze Thema genauer angesehen und komme aus dem Staunen kaum noch raus.

Kurz die mir bekannten Fakten:

Eine Frau mit Hund wurde am 28. Juli 2014 von einer Mutterkuh-Herde entdeckt. Die Kühe attackierten Die Frau mit dem Hund, dabei wurde die Frau tödlich verletzt. Die „Weide“ war nicht umzäunt, die Frau folgte dem Weg, welcher durch die Weide führte. Der Landwirt wurde nun verurteilt, wird jedoch in Berufung gehen.

Das Ergebnis: Keine Kuh, aber eine Schweinerei.

Dass ein Mensch sein Leben lassen muss ist tragisch, darüber besteht meiner Meinung nach kein Diskussionsbedarf. Der eigentliche Skandal wird jedoch durch das Vorgehen der Justiz verursacht. Denn der Rechtsspruch sendet ein ganz eindeutiges Signal aus. 

Aus der Sicht der Landwirte

Ein Landwirt muss nun, anhand dieses Urteils seine zukünftige Landwirtschaft drastisch überdenken. Denn er begibt sich schließlich stets in Gefahr eine hohe Strafe zahlen zu

Kein Täter, sondern Opfer!

dürfen, sollte irgendjemand auf gut österreichisch „an Schas drahn“. Wie kommt denn der Landwirt dazu? Viele meinen, es kann doch nicht so schwer sein die Almen entsprechend abzusichern, damit sowas nicht mehr vorkommen kann. Doch diese Leute haben es wohl noch nie auf echte Berge geschafft, denn die meisten hochgelegenen Almen liegen oft in sehr steilem Gelände, viele Wege sind schlichtweg unmöglich abzusichern und teilweise würden manche Wege dann nicht mehr begehbar sein.

Der letzte Ausweg der Bauern

Was nun viele Bergbauern langsam aber sicher angehen werden ist traurig, aber nur verständlich. Da viele Wege über ihren Grund laufen, sperren sie ausnahmslos die Wege, da sie sich das Risiko schlichtweg nicht leisten können. Und trotz meiner großen Leidenschaft, dem Bergsteigen, kann ich das zu 100% nachvollziehen. Die Konsequenz ist jedoch, dass mittlerweile erste Berggipfel und Almen nicht mehr erreichbar sind. Auch die Landwirte finden diesen Schritt nicht toll, aber mal ehrlich: was bleibt ihnen denn übrig?

Die Landwirte sind unschuldig!

Es ist KLAR, dass Hunde auf Weiden ein Gefahrenpotential darstellen. Es ist KLAR, dass Mutterkuh-Herden einer besonderen Aufmerksamkeit unterstehen, wenn man sich ihnen nähert. Es ist KLAR, dass ich, bevor ich mich in Gefahr begebe einfach umkehre, egal wie weit mein Weg ist. Es ist KLAR, dass ich am Berg eigenverantwortlich handle und Gefahren und Risiken einschätzen können muss, um sicher unterwegs zu sein. Scheinbar muss ich sagen… es sollte klar sein, ist es wohl nicht. Denn sonst müsste der Bauer jetzt sicher nicht in Berufung gehen.

Bevor der Landwirt geht, gehen wir!

Tourismuswanderer haben jetzt schon geäußert, dass das kein Problem ist, da die Bauern einfach die unsicheren Almen eben zusperren müssen. Aber in all dieser Naivität möchte ich dieser Risikogruppe an „Bergsteigern“ eines garantieren. Bevor die Bauern gehen, werdet ihr einfach nicht mehr rauf dürfen. Das traurige daran: Alle anderen vernünftigen Bergsteiger dürfen es eben dann auch nicht mehr. Auch das sehe ich persönlich keineswegs ein.

Es wird nicht gezögert!

Die ersten Wanderwege wurden nun gesperrt, die rechtmäßigen Besitzer wollen kein weiteres Risiko eingehen. Der bisher geglaubte Rückhalt durch die Justiz und der Glaube an die Selbstverantwortung ist nun gestorben, nun wird schnell gehandelt. Zum Nachteil aller begeisterten Bergsteiger und jenen die verantwortungsvoll mit Natur und Tier umgehen. Schade!

Handlungsbedarf, JETZT!

Gott sei Dank lässt sich der Bauer das nicht gefallen und geht in Berufung. Dieses Urteil, welches einem absurden Skandal gleichkommt, darf auf keinen Fall halten und nach meiner Laieneinschätzung kann es das auch unmöglich. Und wenn doch, wäre das ein Paradigmenwechsel vor Gericht, denn dann ist die Eigenverantwortung abgeschafft und wir leben in den USA. In nächster Instanz sollte das Gericht meiner Meinung nach schleunigst zu der Auffassung kommen, dass Menschen am Berg eigenverantwortlich handeln und das nicht deshalb beendet ist, weil man am Grundstück eines Bauern spaziert. Im Gegenteil, wir sollten Landwirten Respekt zollen, dass wir auf ihrem Eigentum so frei und selbstverständlich steigen dürfen, wie es NOCH der Fall ist.

Ein trauriges Fazit

Hier entstand ein Skandal, den man langfristig nicht unterschätzen darf. Lieber Rechtsstaat, dieses Urteil ist, um es undiplomatisch auszudrücken zum Kotzen! Das ist vielleicht im Sinne des Gesetzes, aber ist es auch tatsächlich die richtige Antwort auf diesen Fall? Und bitte liebe Wanderer: solange wir ohne Umwege Kontakt mit den Kühen haben können, sollten wir ihren Lebensraum respektieren und uns wie verantwortungsvolle Gäste verhalten, denn man sieht was passiert, wenn wir das nicht tun.

In diesem Sinne… Berg heil. Den Bergsteigern, den Landwirten und letztlich auch den Kühen.

Was ist eure Meinung dazu? Seht ihr das anders als ich? Ich diskutiere gerne mit euch hier in den Kommentaren und bei Facebook.

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3 Kommentare

  1. Heike 24. Februar 2019

    https://files.orf.at/vietnam2/files/tir/201908/kuh_-attacke_pinnistal_651572.pdf

    Laut dieser Beschreibung war es nicht ganz so wie oben geschildert. Es war ein öffentlicher Weg bei einer Gaststube.. Ich finde das ist ein großer Unterschied, denn da wo viele Leute auf öffentlichem Grund vorbeikommen, muss ich auch sicher gehen, dass mein Hund keinem was tut, auch wenn er noch so sehr sein Revier verteidigen will.

    Gruß Heike

  2. Silvester Roethling 25. Februar 2019

    Ich finde es übel, dass Du den Opfer Unverantwortlichkeit unterstellt. Das geht sehr weit in einen strafrechtlich relevanten Bereich rein.
    Ich fordere Dich auf die entsprechende Passage bis Di, 26.02.2019, 12:00 Uhr zu versachlichen. Ansonsten werde, ich eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung an die zuständige Staatsanwaltschaft übermitteln.

    Über alles andere lässt sich sicher diskutieren.
    Mit besten grüßen

  3. Martin 27. Februar 2019

    Hallo,
    ich wandere ebenfalls gerne im Gebirge und stamme aus einer Bauernfamilie.
    Ich stimme deinen Argumentationen im Allgemeinen durchaus zu (mehr Eigenverantwortung statt Klags-Kultur etc.), halte den vorliegenden Fall jedoch für kein besonders gutes Beispiel.
    Ich war selbst noch nie im Pinnistal, aber der Darstellung des Gerichts folgend scheint es sich hier um ein sehr gut besuchtes, auch mit dem Auto erreichbares Gasthaus zu handeln und der Unfall scheint am meistbegangenen Weg passiert zu sein.
    Das klingt für mich, als ob hier der Vergleich mit einer einsamen Alm im Hochgebirge, über die ein kleiner Wanderpfad führt weniger angemessen ist als der Vergleich mit einem WIrtshaus mitten im Ort neben der Hauptstraße (beide Vergleiche sind viel zu extrem).
    An einem solchen Ort ist aber natürlich eine gewisse Sicherung möglich und zumutbar.
    Das Gericht stellt auch explizit fest, dass es sich hier nur auf den konkreten Ort bezieht. (https://files.orf.at/vietnam2/files/tir/201908/kuh_-attacke_pinnistal_651572.pdf?fbclid=IwAR2HDtu_FEjU5YcODoeAsymimAB6vBB1GfoeaUp53EoNnzZwhf_s54H70J4)

    In diesem Sinne: Mal ruhig bleiben, ich verstehe natürlich die Verunsicherung vieler Bauern, aber für manche (die jetzt sofort ihre Almen für Wanderer sperren) war das vielleicht auch nur der schon länger erhoffte Anlassfall…

    Liebe Grüße,
    Martin

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