Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Klettern für Anfänger – SO gelingt der Einstieg! (TEIL1)

Egal ob schon immer sportlich gewesen, oder noch nie weiter als von Zuhause bis zum Arbeitsplatz, das Klettern ist ein Sport für jeder und jeden. Wer damit anfangen will kann aber mit einigen guten Tipps und einfachen Mitteln den Einstieg leichter und spaßiger gestalten. Heute geht es darum, wie man ins Klettern einsteigen kann, ohne eine zu große Wissenschaft daraus zu machen. Der ganze Artikel richtet sich an absolute Einsteiger und vielleicht auch Anfänger, die sich nach den ersten Schritten nicht mehr zurechtfinden. Lasst uns nicht länger drum herumreden und gleich einsteigen:

Der perfekte sanfte Einstieg

Wer sich das erste Mal an die Kletterwand traut, kann erstmal in die Kletterhalle gehen und sich mit den Beauftragten dort absprechen und eventuell mit Leihausrüstung und einem Trainer anfangen, falls noch kein erfahrener Kletterpartner vorhanden ist. Voraussetzung für das sichere Klettern ist nämlich definitiv jemand der verlässlich sichern kann und die Action auch jederzeit unter Kontrolle hat.

Wir beschäftigen uns erstmals aber nur mit der Technik und Bewegung beim aktiven Klettern. Die ersten Bewegungen an der Wand sollten vielleicht nicht unbedingt mit dem Zwang einer Route stattfinden. Eine Wand mit möglichst vielen leichten Routen nebeneinander dient perfekt dazu um ein Gefühl für die Griffe und Tritte zu bekommen. Das Wichtigste meiner Meinung nach in den ersten Routen ist nicht die perfekte Haltung, Bewegung und Technik. Wer sich in den ersten Routen zu viel Gedanken über die Überlegungen der Fortgeschrittenen macht, wird sich anfangs zu sehr kritisieren und vielleicht auch keinen großen Spaß dabei haben. Ich empfehle daher erstmal wild darauf los zu klettern.

An die Höhe gewöhnen

Wer in der Halle anfängt zu klettern, der wird es mit wildem Kraxeln schnell an Höhe gewinnen. Vielen macht dieser Gedanke Angst oder bereitet Unwohlsein. Psychologisch natürlich völlig zurecht. Große direkte Höhen sind wir Menschen schlichtweg nicht gewohnt und können uns daher mit dem Gedanken anfänglich nicht sehr gut anfreunden. Ich kann aber beruhigen: Die aufkommende Unruhe durch die Höhe, sofern vorhanden, nimmt mit der Zeit und den Anläufen immer mehr ab. Ein anderes Thema ist die Sturzangst, zu diesem Thema wird es aber einen groß angelegten Artikel in Kürze geben, welcher allen Menschen mit diesem Problem helfen wird!

Was auf jeden Fall gegen die Angst oder die Beunruhigung durch die Höhe hilft, ist eine langsame Gewöhnungsphase. Anfangen sollte das damit, dass ein Grundvertrauen zur sichernden Person und der Technik hergestellt wird. Hierbei hilft es natürlich, wenn der/die Sichernde erfahren, ein Coach oder ein enger Vertrauter ist. Als nächstes sollte man die ersten Griffe und Tritte im Top Rope in die Hand nehmen, vom Boden ca. 2 Meter abheben und dann in Absprache mit dem Partner sich einfach in den Gurt setzen. Wenn man das in einem Durchgang alle paar Meter macht, wird das Vertrauen an die Höhe und den Gurt bzw. die sichernde Person zunehmen, bis es zu einer Selbstverständlichkeit wird. Durch die immer wiederkehrenden Pausen wird auch der Zeitraum des Kletterns länger. Das unterstützt bei der Gewöhnung. Setzen wir uns lange einer psychologischen Hürde aus, wird sie nach einer Zeit immer kleiner. Natürlich lässt sich der gleiche Effekt erreichen, indem man immer öfter klettert. Generell rate ich gerade am Anfang häufig die Hallen oder Felsen zu besuchen um das Erlernte und vor allem das Feeling des Kletterns nicht wieder zu verlieren. Gewöhnung kann am Besten durch ständige Wiederholung und Einprägung erfolgen.

Arme – die Hilfe, nicht das Zugpferd

Wenn wir uns mit der Höhe vertraut gemacht haben, können wir zu den ersten Basics im Klettern kommen. Vollkommen normal und menschlich ist es zu Anfang die Arme für die Hauptlast zu verwenden. Die Griffe werden komplett angepackt und es wird sich an ihnen hochgezogen bis der nächste Tritt, ein Stück weiter oben erreichbar ist. Unsere Arme sind in der Regel stärker und stabiler, vor allem vom Gefühl her, was diese Ausführung erklärbar, aber leider nicht besser macht. Denn Nach dem 5. Schwierigkeitsgrad wird es mit dieser „Technik“ nicht mehr weitergehen, da die Griff- und Trittkombinationen vor allem in den Bewegungsmustern für die reinen Bizepskletterer einfach zu kompliziert werden.

Nur was sollten wir dagegen tun? Es gibt einfache und sehr effiziente Wege diese Gewohnheit, sei sie stark oder geringfügig ausgeprägt, zu beenden und die Last nach und nach mehr auf die Füße zu verteilen. Ganz klar sollten diese Ideen zu Beginn im Top Rope geübt werden. Hier gibt es anfänglich einfach die größere Sicherheit und man kann sich wirklich voll fokussieren. Ihr widmet euch einer Route oder Wand, die ihr schon mal geklettert seid. Dabei ist es egal ob völlig korrekt oder mit biegen und brechen. Nun gibt es ab dem ersten Tritt ein paar kleine Spielregeln:

1) Präzision und Ruhe

Jedes Mal, wenn wir beim Klettern einen unserer Füße bewegen und auf einen anderen Tritt steigen wollen, beobachten wir den Fuß vom Abheben des ursprünglichen Tritts bis zum Aufsetzen und Platzieren am neuen Tritt. Erst wenn der Fuß so platziert ist wie wir ihn brauchen können wenden wir uns wieder den Griffen oder eben anderen Hindernissen zu. Der Effekt: Durch die absichtlich sehr bewusste Beobachtung unserer Bewegungen arbeitet das Gehirn mit der gewonnenen Information weiter, ohne dass wir uns darüber bewusst Gedanken machen müssen. Heißt: Wir schauen uns um neue Möglichkeiten zu greifen um und unser Gehirn wägt automatisch sofort ab, ob unsere Trittposition zu den Griffvariationen passt. Das funktioniert nicht, wenn wir einfach erst schauen wohin wir steigen wollen und während dem Steigen schon auf andere Griffe schauen. Wer’s nicht glaubt, sollte es wirklich einfach mal ausprobieren, wenn es mal an irgendeiner Stelle hakt.

2) Klettern wie eine Katze

Manche Kletterer, die mit Anfängerkursen begonnen haben können sich eventuell noch an dieses Spiel erinnern. „Katze statt Elefant“ heißt der Spaß. Hierbei geht es darum sich so leise und elegant wie möglich in der Wand zu bewegen, wie eine Katze eben. Ob das beim Bouldern oder Klettern geübt wird ist eigentlich egal. Das Ziel ist es absolut geräuschlos zu steigen und zu greifen. Leichter gesagt als getan, wenn man sich bisher als Trampeltier versucht hat. Der Effekt: Auch hier trägt die Übung zu einer bewussteren Bewegung bei. Wer sich grazil durch die Wand bewegt, wird auch bewusster und konzentrierter steigen und greifen. Zu Anfang mag es etwas anstrengender sein als wild durch die Route zu stapfen. Der positive Effekt zeigt sich aber spätestens in schweren Routen im 7. Oder 8. Schwierigkeitsgrad, wenn bewusste Körperbewegungen und Gewichtsverlagerungen unumgänglich sind.

Mit den weiteren Spielregeln und vielen anderen Tipps zum Thema Einstieg ins Klettern geht es am Dienstag wieder weiter mit Teil 2!

Schon die anderen Artikel gelesen? Einen Artikel Über Klettersteige, den Trendsport der letzten Jahre findet ihr hier!

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