Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Klettern für Anfänger – So gelingt der Einstieg (Teil 2)

Die Spielregeln der Technik, da habe ich zuletzt aufgehört und möchte nun genau hier und ohne weitere Umwege ansetzen. Zuletzt haben wir bei den Übungen für die Verbesserung der Technik beim Klettern aufgehört. Nach der Präzisionsübung und dem Katzenspiel kommen wir jetzt zur dritten Übung um die eigenen Leistungen mit Spielerein zu verbessern.

  1. Griffe erreichen

Die meisten Anfänger beim Klettern möchten die nächsten bzw. höchsten Griffmöglichkeiten so schnell wie möglich erreichen. Dabei erreicht man meist eine gestreckte Haltung. Der Wunsch ist es durch einen hohen Griff eine stabile und entlastende Position einnehmen zu können. ABER: Die Idee basiert auf dem Irrglauben. Denn eine aufrechte, gestreckte Haltung ermöglicht keine entlastende Haltung und vor allem gilt: Die Bewegungsfreiheit und Flexibilität wird immer weiter eingeschränkt, je mehr wir uns in der Wand verkanten und verspreizen. In höheren Schwierigkeiten und komplexen Routen ist es manchmal nötig sich zu verkeilen oder in gestreckte Körperpositionen zu kommen. Jedoch kann ich aus Erfahrung sagen, dass es in den meisten Routen bis zum mittleren 6. Schwierigkeitsgrad keine Notwendigkeit für solche Körperhaltungen gibt. Bis dahin lassen sich mit technisch korrektem Klettern die meisten Problemstellen und „unüberwindbare“ Hindernisse überwinden.

Also gilt die nächste Übung zu Anfang auch wieder für leichte Routen, die ihr bereits kennt und auch leicht meistern könnt. Die Übung funktioniert letztlich so:  Jedes Mal, wenn ihr euch nach einem Griff strecken wollt, lasst ihr genau das einfach bleiben. Die Idee ist es, einen Griff immer erst dann zu greifen, wenn er knapp über oder auf Höhe des Kopfes ist. Diesen Griff hält man dann so lange bis man den nächsten Griff wieder auf Augenhöhe hat. Dieses System führt man durch die gesamte Route hinweg durch. Anfangs kann das zu einer ziemlichen Herausforderung werden, da sich das Gefühl der Gewichtsverlagerung dem tieferen Schwerpunkt jetzt vermutlich neu ist. Der Effekt ist jedoch, dass ihr durch diese Übung erstmal lernt, euer Gewicht besser in Richtung Wand und auf den Tritten besser zu verteilen. Viele Kletterer hängen anfangs zu sehr mit dem Gesäß durch, was zu einer ziemlichen Lastvergrößerung an den Armen führt und an der Ausdauer nagt.  Außerdem lernt ihr euch in der Wand etwas besser zu bewegen. Heißt ihr lernt ganz automatisch Techniken wie das Eindrehen etc. Denn wenn ein Griff mal nicht einfach so erreichbar ist, dann gilt es diese Techniken abzurufen. Ohne, dass ihr es direkt mitbekommt werdet ihr mit diesen Methoden arbeiten, wenn ihr euch an das Ziel haltet jeden Griff erst auf Kopfhöhe zu greifen.

Der Fuß und der korrekte Einsatz

Die Beinarbeit ist beim Klettern elementar und für den großen Klettererfolg definitiv eine der Grundvoraussetzungen. Doch auch bei der Beinarbeit gibt es abseits der Übungen zum bewussteren Einsatz auch noch Feinheiten und Details die gut funktionieren sollten, um einfacher und besser klettern zu können. Jetzt sollten wir uns mal mit den Tritten und der Verwendung dieser beschäftigen. In den leichteren Routen bis zum 5. Oder 6. Schwierigkeitsgrad sind die Tritte zumeist groß, einfach und meistens auch eben. Dieser Zustand ist zwar nett, wer aber im oberen 6. Schwierigkeitsgrad bestehen will oder sogar noch höher möchte, muss definitiv eine einwandfreie Fußtechnik mitbringen.

Zugegeben lässt sich das auf einfachen Routen nur mäßig gut üben, da wie erwähnt die Tritte immer nahezu wie Griffe aufgebaut sind. Falls ihr doch einfache Routen mit Mikrotritten und Volumen habt, nutzt für das Training der Fußplatzierung definitiv diese. Ansonsten kann ich auch noch empfehlen, mehrere schwere Routen mit solchen Tritten zusammenzufassen, alle Griffe zu verwenden und nur gezielt die schweren Tritte zu nehmen. Außerdem eignet sich das Bouldern ideal um mit diesen Tritten das erste Mal in Kontakt zu kommen. Um jedoch auf diesen Tritten bestehen zu können gibt es ein paar Tricks, die es zu beachten gilt: Das Wichtigste beim Klettern im Bezug auf die Füße ist der richtige Winkel, den der Fuß zu Wand und zur Auflagefläche einnimmt. Erstmal zum Thema Winkel zur Wand.

Fußwinkel zur Wand

Wir platzieren den Fuß immer normal zur Wand (90°). Das heißt, dass ausschließlich die Zehenspitzen zur Belastung verwendet werden und im Regelfall weder Ferse und Fußballen Gewicht tragen müssen. Warum?

Steigen wir seitlich auf einen Tritt, funktioniert das auf großen einfachen Tritten sehr gut, der Halt ist zugegebenermaßen noch besser als wenn wir nur mit der Fußspitze auftreten, jedoch ist es a) unnötig viel Auflage die eigentlich nicht notwendig wäre, b) schränkt es die Bewegungsfreiheit durch das notwendige Eindrehen des Beins massiv ein und c) wird dieses System auf Mikrotritten nicht funktionieren was zu späteren Problemen führt. Ein korrekt platzierter Fuß gibt uns also die Möglichkeit uns in jede Richtung zu drehen und zu bewegen und schafft es auch absolut minimalistische Tritte und kleinste Auflagen selbst im Überhang als sichere Basis für unseren Fuß zu nutzen. Denn für Anfänger ist vor allem wichtig, dass es nicht nach schneller Steigerung gleich wieder vorbei ist. Daher empfehle ich von Anfang an die richtige Fußtechnik.

Fußwinkel zum Tritt

Sollten wir auf abschüssigen kleinen Volumen oder abschüssigen Tritten stehen, ist es wichtig so viel Auflagefläche = Reibung wie nur möglich zu erzeugen. Anfangs mag das ein komisches Gefühl sein abwärts auf einem Tritt zu stehen, insgesamt gibt es aber dennoch den besseren Halt. Auf Mikrotritten und kleinen Strukturen sollte man niemals beim Stand die Ferse zu tief durchhängen lassen. Denn das Hauptaugenmerk beim richtigen Auftreten liegt bei der idealen Verteilung der Last und einem sicheren Stand.

Stellen wir uns auf einen kleinen Tritt in einem 90° Winkel zum Tritt, wird das Gewicht relativ gut auf den Tritt übergeleitet. Wird der Winkel zum Tritt immer spitzer, fällt die Hauptlast immer weiter unter den Tritt, bis wir irgendwann abrutschen. Wenn man den Fuß ganz leicht aufstellt, den Winkel also bei 90° + behält, steht man sicherer und schonend für den weiteren Kletterverlauf. Zu stumpfe Winkel kann ich auch nicht wirklich empfehlen. Manchmal wenn in speziellen Routen Tritte absolut nicht anders zu erreichen sind, ist es manchmal notwendig, jedoch sollte das auf ein Minimum reduziert werden. Den Fuß zu stark aufzustellen belastet die Zehen unnötig und verursacht bei dauerhaftem Gebrauch Schmerzen. Außerdem gibt es auch hier wieder eine Grenze, wann es wieder zu einer größeren Instabilität kommen kann.

Zwei Artikel sollten für den Anfang reichen um als idealer Einstieg zur richtigen Beinarbeit zu dienen. Arbeitet mit meinen Tipps etwas und spielt herum was für euch gut funktioniert und was eher nicht. In Kürze werde ich auch noch einen Artikel zur richtigen Armtechnik zur Verfügung stellen. Dann sind die richtigen Bewegungsabläufe erstmal abgeschlossen und das Training kann beginnen! Bis dahin gibts hier auch was zum Thema Klettersteig!

Was ihr definitiv nicht machen solltet könnt ihr an einem Praxisbeispiel zu einem Absturz in der Kletterhalle lesen. Absturz in der Kletterhalle!

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