Sebastian Lobinger

Die Berge sind meine Heimat

Ötscher – Rauher Kamm

Im Winter ein sehr bekanntes Skigebiet und im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Bergfex im Osten. Der Ötscher ist vielseitig, hat einen im Osten sehr einzigartigen Look und begeistert sowohl Groß als auch Klein. Im kleinen Ort Lackenhof finden wir uns wieder, wenn wir über eine abwechslungsreiche und beeindruckende Route, dem Rauhen Kamm, den großen Ötscher besteigen wollen.

Ein lässiger Start

Wenn wir eine ausgedehnte Tagestour unternehmen wollen, geht es vom Skilift weg in Richtung Raneck, ein kleines Dörfchen am Fuße des Ötschers. Man kann es auch mit dem Auto erreichen, der Rundweg, wenn man wieder runter will, bleibt einem aber ohnehin nicht erspart also nehmen wir die ersten Höhenmeter zu Beginn und nicht erst am Ende des Tages auf uns. In Raneck endet dann auch unsere betonierte Straße und mündet in eine abgesperrte Fortstraße mit der Tafel „Bärenlacke“. Auch hier wandern wir gemütlich, meist flach und ab und zu mit leichten Steigungen weiter. Hier können wir uns viel Zeit sparen, indem wir zügig gehen und nicht nur so dahinspazieren. Um uns herum ist meist der Wald, hin und wieder erhaschen wir auch einen Blick auf die Nordwände des Ötschers. Die gesamte Zeit bis zur nächsten Abzweigung können wir uns einer majestätischen Aussicht auf einen der schönsten Berge Niederösterreichs erfreuen. Nach kurzer Zeit kommt man zu einer unauffälligen Kreuzung. Hier biegt man rechts in den Wald hinein und wie es einem viele Topos schon prophezeien, geht es ab jetzt mit dem Berg auch richtig los.

Die steilste Passage

Auf einem schmalen Pfad steigen wir jetzt der Nordwand gefühlsmäßig entgegen und in Serpentinen hat man das Gefühl, sich von Zeit zu Zeit tiefer im Wald zu verirren. Hin und wieder gibt es es schöne Ausblicke in den weitaus flacheren Norden des Bundeslandes, welche uns bestätigen, dass der steile Steig die Mühe wert ist und wir doch sehr rasch an Höhenmeter gewinnen. Hie und da gilt es über größere Stufen oder den ein oder anderen Baum zu steigen, technisch bleibt der Weg jedoch anspruchslos, wenn auch um nichts weniger steil.

Eine verdiente Pause

Wer die Waldpassage überstanden hat, den empfängt ein toller Aussichtsplatz. Wer bis jetzt noch keine Motivation zu einer Rast hatte, den wird spätestens hier die Lust auf eine ausgedehnte Pause packen. Wir genießen die Aussicht auf den uns bevorstehenden Rauhen Kamm und die umliegenden Berge. An besonders schönen Tagen können wir sogar einige Gipfel der Tauern erahnen. Die Anstrengung der letzten Stunde wird ausreichend belohnt. Bei einem Snack oder zumindest einer Trinkpause lassen wir uns von den Sonnenstrahlen des Morgens erwärmen. Bisher im Wald war von einer aufgeheizten Stimmung eher nie die Rede.

Rauher Kamm

Haben wir uns ausreichend erholt, kann der berüchtigte Rauhe Kamm am Ötscher auch schon beginnen. Tatsächlich wird hier in zahlreichen Literaturen und Beschreibungen immer etwas übertrieben. Der Rauhe Kamm ist prinzipiell nicht von Gefahren und Risiken übersäht und birgt auch keine schwierigen, fordernden Kletterstellen, die nicht jeder Wanderer überwinden könnte. Viel mehr sollte hier eventuell für eine Richtigstellung gesorgt werden: Der Ötscher mit seinem Rauhen Kamm ist, ob seiner kleinen Kraxeleien ein leichter Berg für einen durchschnittlichen Wanderer, der entsprechende Höhenmeter schon mal überwunden hat. Ich denke, die meisten Autoren möchten mit den Warnungen eher den Unerfahrenen einen unnötigen Aufstieg oder gar die Bergrettung ersparen. Der Rauhe Kamm ist für Ungeübte schaffbar! Er ist für Neulinge schlichtweg bei einem Sturz nicht ungefährlich. Absturzgelände mit weiten Stürzen und gefährlicher Ausgesetztheit sind zwei, drei Mal vorhanden. Niemals ist der Ötscher an diesen Stellen besonders schwierig gestaltet. Hier bitte zwischen Gefahr und Schwierigkeit unterscheiden. Aber zum Rauhen Kamm jetzt mal mehr.

Die kleinen Schwierigkeiten

Anfangs halten wir uns noch zwischen Latschen recht eingesperrt rechts der Felsen bis uns auch die Latschen als Auffanghilfe absagen und uns mit dem Dachsteinkalk allein lassen. Anfangs geht es eher durch Schuttfelder auf flachen Wegen dahin, bis uns erste Kraxelein über Platten erwarten. Eine harte Kletterpartie ist hier nicht zu überwinden, eher ein Festhalten beim Weitergehen. Immer wieder sollten wir Halt machen und beobachten wie sich die Perspektive auf die Türme am Ötscher verändern und man dadurch beinahe alle 5 Minuten einen neuen Ausblick hat. Die meiste Zeit geht es aber über schmale Schotterwege dahin, hin und wieder gibt es auch leichte Kletterstellen (1-) die mit ein bisschen Hilfe der Arme leicht überwunden sind. Nach ca. einer halben Stunde stehen wir bereits auf einem der größeren Vorgipfel am Ötscher und können einen gewaltigen Rückblick bestaunen. Es wird ab hier noch etwas felsiger und auch steiler. Nun beginnen richtige Klettereien, aber natürlich auch alle einfachster Art. Die „schwierigste“ ist wohl jene, mit Stiften ausgestattet. Aber auch hier braucht man keine Klettererfahrung. Mit Schwung einmal hochgestiegen und schon kann es weitergehen. Die meisten Klettereien danach bis zum Gipfelbuch gestalten sich einfacher (1- bis 1) und gehen fast wie von selbst. Man gewinnt sehr rasch an Höhe und kommt irgendwann nach knapp einer Stunde auch beim Ötscher Gipfelbuch aus.

Die letzten Meter

Ab hier haben die Hände ihr Soll erfüllt und können sich wieder an Stöcke oder an das Leben klammern. Man hat es geschafft. Für ein paar Minuten wandern wir jetzt noch in einfachem Auf und Ab bis zum Gipfelkreuz. Der Gipfel am Ötscher ist groß, aber der Andrang auf dieses im Osten recht einmalige Massiv ist dermaßen groß, dass die absolute Einsamkeit hier nicht mal über die Wintermonate zustande kommt. Also muss man sich am Weg nach oben schon mit dem Gedanken der Geselligkeit abfinden. Am Gipfel genießt man an schönen Tagen eine grandiose Aussicht in das Gesäuse und die Niederen Tauern. Besonders schön fällt der Übergang vom Flachland, ins Hügelland und weiter in die Voralpen und den Alpenhauptkamm auf. Durch den tollen Rundumblick fällt das wortwörtliche West-Ost Gefälle auf präsentiert sich perfekt fotogen.

Der Ötscher Abstieg

Von den 1893 Metern erwartet uns noch ein ordentlicher Abstieg, der technisch absolut einfach ist. Er führt zuerst am Gipfelkreuz vorbei in Richtung Westen. Hier geht es halbwegs flach den Gipfelaufbau entlang und man kann immer wieder einmal einen eleganten Blick auf die Südwand wagen. Bis zur Hütte, dem Ötscherschutzhaus geht es mäßig bergab und in felsigem Gehgelände. Wer schon den ganzen Tag auf den Beinen ist, sollte auch den Rest mit eigener Kraft bewältigen können. Es geht ab der Hütte steil bergab in einfachem Gelände. Man kann die extremen Steigungen in Serpentinen bewältigen oder auch Schuss runter. Prinzipiell ist der Abstiegsweg nach der Hütte nicht mehr lang, jedoch durchgängig steil.  Ganz unten angekommen, kann man nochmals einen Blick auf den Nordhang des Ötschers werfen und das Geschaffte bewundern.

Fazit

Eine Tagestour, die man als durchschnittlich konditionierter Wanderer schaffen kann. Die kleinen Kletterstellen sorgen für eine großartige Abwechslung im Aufstieg und die Tiefblicke sind in den östlichen Voralpen sehr alleinstehend. Ich empfehle einen Schönwetterfenster. Erfahrene Alpinisten können diese Route zwar auch bei Nässe bewältigen, jedoch lohnt es sich allein für die Aussicht schon eher auf schönes Wetter zu warten.

Kennt ihr schon eine spannende und fordernde Tagestour auf den Hochschwab? Ein echter Pflichtberg nach dem Ötscher!

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